Buchtipp „Wo ich herkomme sind die Leute freundlich“

Schatzinsel-Buchtipp im Solinger Tageblatt vom 8. Februar 2018:

„Wo ich herkomme sind die Leute freundlich“

von William Saroyan, übersetzt von Nikolaus Stingl
Deutscher Taschenbuchverlag, 2017

Ein literarisches Anti-Depressivum

Herzerfrischend! Storys mit viel Komik, mit Selbstbehauptungswillen, mit Herzblut und, ganz wichtig, mit Punch! William Saroyan, Sohn armenischer Einwanderer, 1908 in Kalifornien geboren, war ein Star zur Zeit der Großen Depression. Er starb 1981 („Jeder muss sterben, aber ich habe immer geglaubt, in meinem Fall würde eine Ausnahme gemacht. Und was nun?“). Seine Geschichten spielen Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre in einem amerikanischen Alltag voller Armut und Diskriminierung. Bevölkert von Friseuren, Bestattern, Versicherungsvertretern, Einwanderern und Chorsängern. Sie spielen in Kneipen, Wettbüros, Telegrafenämtern und Sonntagsgottesdiensten.

„Auf lange Sicht verlieren alle“, heißt es einmal im Text. Ja, mag sein, aber Saroyan geht es um die kleinen Triumphe, die raren Momente der Freiheit. Seine Geschichten sind trotzig-optimistisch. Richard Kämmerling schreibt in seinem schönen Nachwort zu Saroyans Prosa: „Sie demonstriert und feiert die störrische Behauptung des Individuellen, die Weigerung des Menschen gegen seine Verrechnung und Verwertung.“ Und das alles funktioniert im vorliegenden Buch auch deshalb so erfrischend, weil die dtv Verlagsgesellschaft für diese famose Wiederentdeckung eines modernen Klassikers den überragenden Übersetzer Nikolaus Stingl gewinnen konnte.