Buchtipp
„Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“

Am 12. Dezember 2019 erschien unser 39. Buchtipp im Solinger Tageblatt:

Mehr Chuzpe geht dieses Jahr nicht:
Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Dieses waghalsige, wunderbare und wahnwitzige Buch ist ein Roman über den heutigen Irrsinn in der Welt. Wenn sie ihn gelesen haben, ist der Irrsinn zwar immer noch da, aber sie haben sehr viel gelacht und fühlen sich erfrischt.

Der einsame und von seiner jüdischen Familie verstoßene Schweizer Motti Wolkenbruch landet im Kibbuz „Der verlorenen Söhne Israels“. In dieser verschrobenen kleinen Gemeinschaft werden nicht nur Orangen geerntet, sondern noch ganz andere Pläne verfolgt: „Aber … wieso wollt ihr die Welt beherrschen? Ich dachte, das sei eine Idee der Antisemiten?, fragte Motti, … Ist es auch, sagte Steve, aber wir finden sie gut und wollen sie in die Tat umsetzen.“

In einem Bergwerk in den Alpen überlebten ein paar Nazis den Krieg, vermehrten sich folgsam, und waren auch sonst ganz fleißig: Sie erfanden den Volksrechner, das Volksnetz, das Volksrechnerlein, die Hassmaschine und die Tiefenfälschung, und sie können ihr Glück kaum fassen, wie gut damit das Aufhetzen draußen in der Welt funktioniert.

Als es Motti gelingt, Amazons Alexa heimlich umzuprogrammieren, schicken die Nazis die blonde Agentin Hulda los, die Motti in Israel ermorden soll.

Buchtipp von Ingo

Aber natürlich kommt alles ganz anders, zumal Mottis Mutter auftaucht und mit wilden Wortduellen ins Geschehen eingreift. Mehr Chuzpe als in diesem Roman geht dieses Jahr nicht. Hosianna und ein Frohes Fest!

Thomas Meyer, Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
Diogenes Verlag 2019, 275 Seiten, 24,- €

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