Interview mit Tanya Stewner

Unsere Schülerpraktikantin Eliza ist großer Fan von Tanya Stewner und ihren Büchern. Sie hat der Kinder- und Jugendbuchautorin ein paar Fragen gestellt.

Fragen an Tanya Stewner

Was ist für Sie das Besondere daran, Schrifstellerin zu sein?
Ich habe sehr viel Phantasie, denke mir wahnsinnig gerne Geschichten aus und ich schreibe sie auch sehr gerne nieder. Ich fühle mich sehr gesegnet, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Es ist so wertvoll, wenn man seinen Job so gerne macht wie ich.

© Jörg Schwalfenberg

Sie waren ursprünglich mal Lektorin. In wie weit hilft Ihnen das als Schriftstellerin?
Es hilft sehr zu wissen, wie man Texte von der handwerklichen Seite angeht. Es gibt ja keine Schriftstellerausbildung, daher ist es sehr hilfreich eine Lektorenausbildung zu haben. Man beherrscht dadurch das Handwerkszeug viel besser und dadurch werden natürlich auch die eigenen Texte viel besser.

Sie haben Literaturübersetzung studiert. Als Studium stelle ich mir das eher trocken vor. Warum haben Sie als fantasievolle Person also dieses Studium gewählt?
Es ist sehr schwer, Schriftstellerin zu werden und ich wusste auch, dass ich etwas Vernünftiges studieren sollte, falls das mit der Schriftstellerei nicht funktioniert. Ich fand, dass Literaturübersetzung dem Bücherschreiben am nächsten ist, also dem am nächsten kommt, was ich gerne machen möchte. Meine eigenen Geschichten zu schreiben, macht mir allerdings viel mehr Spaß!

In Ihren Büchern „Alea Aquarius“, „Liliane Susewind“ und der Hummelbi-Trilogie gibt es immer einen Mix aus der realen Welt und dem Übernatürlichen. Was reizt Sie daran?
Ich mag es, meine Geschichten in der Realität anzusiedeln und dann etwas Magisches hineinkommen zu lassen. Denn ich glaube, dass es für die Leser dadurch leichter ist, sich vorzustellen, dass so etwas tatsächlich passiert. Wenn die Protagonisten ganz normal zur Schule gehen, sich im Hier und Jetzt befinden und sich dann etwas Übernatürliches ereignet, finde ich das noch reizvoller, als eine ganze Phantasiewelt zu kreieren, bei der der Leser sich von allem, was er kennt, abkoppeln muss. Das kann natürlich auch sehr spannend sein, aber für mich ist die Urban-Fantasy-Variante noch interessanter.

In jedem der genannten Büchern ist eine „Moral“ versteckt: In der Elfen-Trilogie ist es, dass man die Fantasie nicht verlieren soll. In Liliane Susewind der Tierschutz und in Alea Aquarius allgemein der Schutz der Meere. Verfolgen Sie damit ein bestimmtes Ziel und engagieren Sie sich vielleicht auch jenseits der Bücher für diese Dinge?
Ich habe bestimmte Kernbotschaften, und ich nutze meine Bücher, um darüber zu schreiben. Dabei möchte ich die Leser und Leserinnen inspirieren und sie über den Tellerrand blicken lassen. Die Dinge, die mir sehr am Herzen liegen, sind immer wieder Thema in meinen Büchern. Dazu gehört vor allem der Umweltschutz. Ich engagiere mich auch privat und bin in mehreren Umweltorganisationen, versuche aber auch, mein Leben so zu gestalten, dass mein CO2-Fußabdruck so gering wie möglich ist. Ich finde Bücher schreiben ist eine große Chance. Man erreicht viele junge Menschen und es wäre eine vertane Chance, das nur für Entertainment zu nutzen. Man kann Abenteuer und Unterhaltung sehr gut mit Botschaften verbinden.

Florentine, Pauline, Lilli und Alea sind im Grunde vollkommen normale Kinder. Doch entweder finden oder besitzen alle besondere Gaben. Hätten Sie sich als Kind auch solche Gaben gewünscht und wenn ja, welche genau?
Meine Hauptfiguren haben alle besondere Gaben, weil das als Kind ein Traum von mir war. So habe ich mir beispielsweise vorgestellt, die Zeit anhalten zu können, oder wie es wäre, wenn ich so stark wäre wie Pippi Langstrumpf. Dann hätte ich alle Kinder, die mich in der Grundschule geärgert haben, einfach auf einen Baum setzen können wie Pippi. Ich hab mir auch vorgestellt, dass ich mit Tieren sprechen könnte und fand das immer sehr faszinierend. Meine Phantasie war der Ausweg aus den Problemen, die man als Kind und Jugendliche so hat. Ich mir vorstellen kann, dass viele LeserInnen sich auf ähnliche Art in Bücher flüchten.

Ich schreibe selbst auch sehr gerne. Zum großen Teil sind auch Ihre Bücher und vor allem die Figuren darin Inspiration für mich. Wurden auch Sie von Figuren aus anderen Büchern inspiriert?
Ja! Pippi Langstrumpf habe ich eben ja schon erwähnt, aber auch viele andere Figuren von Astrid Lindgren waren sehr inspirierend für mich. Beispielsweise Ronja Räubertochter oder Bastian aus der Unendlichen Geschichte (Michael Ende). Oder auch Kim aus Märchenmond (Wolfgang und Heike Hohlbein). Das waren Figuren, die mich noch über das Lesen hinaus begleitet haben, und in meinem Kopf habe ich die Geschichte noch weiter gesponnen und überlegt, was als Nächstes passieren könnte.

Zu Liliane Susewind gibt es bereits einen Film. Wird es auch einen zu Alea Aquarius geben?
Leider darf ich dazu offiziell nichts sagen, aber ich verneine es auch nicht. 😉

Waren Sie bei der Auswahl des Casts für Lilliane Susewind dabei? Und in wie weit durften Sie beim Dreh Einfluss nehmen?
In Deutschland ist es so, dass Autorinnen und Autoren in der Regel keinen Einfluss auf die Verfilmung ihrer Werke nehmen können. Ich habe also weder beim Casting noch beim Drehbuch oder anderen Entscheidungen des Films mitsprechen können.

Würden Sie selber in Filmen wie diesen mitspielen wollen?
Ich sehe mich eher als Schriftstellerin. Das ist das, was ich am liebsten mache. Eine Lesung hat oft szenische Elemente, und dort schlüpfe ich auch gerne in verschiedene Rollen. Aber in einem Film mitzuspielen war bisher nicht mein Traum.

Vielen Dank für das Interview.

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