Learning by digging

Meike Winnemuth „Bin im Garten“
Penguin Verlag 2019, 320 Seiten – 22 €

Learning by digging, passender könnte man den Zustand eines hochmotivierten Gartenneulings eigentlich nicht zum Ausdruck bringen. Meike Winnemuth nutzt diese Beschreibung in ihrem aktuellen und gerade erschienen Buch Bin im Garten, in dem die einstige Weltenbummlerin von ihrem neuen Abenteuer – dem ersten eigenen Garten – erzählt.

Moment mal, wird sich der eine oder die andere Leserin jetzt fragen, ist das nicht die, die beim Jauch damals eine halbe Million gewann, um die Welt reiste und darüber ein Buch schrieb? Und die hat wirklich das Reisen aufgehört und ist auf ein paar Quadratmetern mit Garten sesshaft geworden?

Terra incognita

Manchmal muss man eben erst um die ganze Welt reisen, um schließlich festzustellen, dass das größte aller Abenteuer im eigenen Garten auf einen wartet.

Mein Gartenjahr war in vielem eine Abenteuerreise in ein fremdes Land mit anfangs noch undurchschaubaren Gesetzen. Terra incognita. Aber es ist ein sehr gastfreundliches Land, in das ich da geraten bin, es hat mich umarmt und reich beschenkt, mit Blumen und Bohnen, mit Erbsen und Erfahrungen. Und es liegt nur ein paar Schritte weit entfernt.
– Meike Winnemuth im Klappentext

Als Gärtnerin eines 450 qm großen Gartengrundstücks war ich natürlich besonders gespannt auf Winnemuths Gartentagebuch und wurde – soviel darf ich gleich verraten – nicht enttäuscht.

Von Januar bis Dezember

Es gibt unzählige Sachbücher, die einem nur zu gerne erzählen wollen, was man als geneigte Gärtnerin zwischen Januar und Dezember so alles im Garten tun oder lassen sollte. In dem Zusammenhang warne ich übrigens alle Gartenanfänger, Worte wie „Gartenjahr“ oder „Gartenkalender“ zu googeln. Zu schnell würde man sonst die Flinte ins Korn oder – wie in unserem Fall – die Schaufel ins Beet werfen und vor zu viel Arbeit auf noch unbekanntem Terrain kapitulieren.

Aber genau so ein Buch ist Bin im Garten nicht. Ganz und gar nicht. Lediglich die Einteilung in Monatskapitel hat dieses Gartentagebuch mit seinen Kolleginnen aus der Sachbuchabteilung gemein.

Kapitelüberschrift im Mai
Bin im Garten, S. 115

Jedes Kapitel beginnt mit einem liebevoll gestalteten Vorgucker auf das, was im folgenden Monat kommen wird. Dabei haben die – nicht immer täglichen – Tagesrückblicke ganz unterschiedliche Länge, je nachdem, was gerade so im Garten los ist. Sehr praktisch, wenn man nur ein paar Seiten lesen will, man findet schließlich immer einen Tag im Gartenjahr, an dem man das Buch zur Seite legen kann.

Und genau das ist das Besondere, das Tolle an Winnemuths Buch. Zeitlich hält sie sich zwar an den fortlaufenden Kalender, erzählerisch ist sie aber Welten vom monotonen Aufzählen anfallender Arbeitsschritte entfernt. Ganz im Gegenteil.

Poesie im Garten

Manchmal werden wir Zeuge einer fast poetischen Liebeserklärung der Autorin an ihren Garten, ein anderes Mal können wir unser Fachwissen im Bereich der Gartenwerkzeuge erweitern, was bei Geräten wie dem Marschtrüffel und der Wiedehopfhaue bei Autorin und Leserin für herrliches Kopfkino sorgte. Dazu gibt es immer mal wieder ein paar philosophische und nachdenkliche Ausflüge, schließlich gibt es im Garten neben Blumen und Gemüse auch jede Menge Lebensweisheiten zu ernten. Der dortige Körpereinsatz erdet eben auf ganz unterschiedliche Weise. Auch aus diesem Grund glaube ich, dass sich Bin im Garten auch bestens für (noch) Nicht-Gärtner eignet.

Am Ende schließe ich ein kurzweiliges, erfrischendes, verständliches Buch von und über eine Gärtnerin, das inhaltlich weit über die Grenzen ihres Gartens hinausgeht. Meike Winnemuth hat mich mit auf eine besondere Reise genommen, hat mein eigenes Gärtnerauge für das Winzige und Spektakuläre im Garten geschult, mein Fachwissen aufgefrischt und mich mit jeder Menge Garten-Lifehacks versorgt.

Und wer jetzt neugierig geworden ist und wissen will, warum der Dill die Schweiz ist, wie es sich in einer WG mit 250 Sämlingen lebt und für wen Meike Winnemuth so schwärmt (und ich jetzt übrigens auch), der sollte sich Bin im Garten unbedingt gönnen.


Geschrieben von Stefanie Leo (Mittwochsmorgenkraft und Frau für Bits und Bytes der Schatzinsel)

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