Buchtipp „Darktown“ und mehr

Hier ist er endlich, der 29. Schatzinsel-Tipp im Solinger Tageblatt, vom 27. Dezember 2018. Inzwischen haben wir auch wieder einen „Darktown“-Stapel:

Darktown

Das ist bereits der letzte Buchtipp in diesem Jahr. Für mehr Tipps ist leider kein Platz. Kein Platz für das Sprachkunstwerk Lincoln im Bardo von George Saunders: Der amerikanische Präsident Lincoln besucht das Grab seines gerade verstorbenen Sohnes, und die Geister des Friedhofs erzählen in einem vielstimmigen Chor von sich und dem Geschehen. Kein Platz für Tage ohne Ende von Sebastian Barry: Ein unerhört tollkühner Roman in Sprechsprache, ein schwuler Western und Bürgerkriegsroman. Und auch kein Platz für den eleganten Erzähler Stewart O‘ Nan und seinen Roman Stadt der Geheimnisse: Im Zentrum ein für die Untergrundorganisation Hagena arbeitender Taxifahrer im von den Briten besetzten Jerusalem des Jahres 1947.

Aber immerhin noch Platz für Darktown: Das Police Department von Atlanta stellt 1948, mehr unter Druck denn aus Einsicht, die erste Einheit farbiger Polizisten auf. Acht Männer sollen in Darktown, dem Viertel der farbigen Einwohner für Recht und Ordnung sorgen. Ihre Befugnisse sind aber stark eingeschränkt: Weiße verhören oder verhaften dürfen sie nicht. Als ein Mädchen ermordet wird, ermittelt die Einheit weit über ihr Viertel und ihre Befugnisse hinaus. Darktown ist ein komplexer, atmosphärisch dichter Cop-Krimi über Korruption und Rassismus, und ein Stück Zeitgeschichte. Oder wie die New York Times Book Review schreibt Dieser Roman wird Sie umhauen!.

Thomas Mullen, Darktown, Dumont Verlag 2018, übersetzt von Berni Mayer, 480 Seiten, 24,- €