11. April 1961 – Buchtipp: Bettina Stangneth „Eichmann vor Jerusalem – Das unbehelligte Leben eines Massenmörders“

11. April 1961: Prozessbeginn in Jerusalem.

Grund genug, noch einmal sehr nachdrücklich auf Bettina Stangneths Buch “Eichmann vor Jerusalem” hinzuweisen:

 

 

 

 

 

 

Von Solingen nach Jerusalem

Adolf Eichmann: 1906 in Solingen geboren und 1962 in Jerusalem hingerichtet. Dieses Buch erzählt „die Geschichte Eichmanns nicht als Chronologie seiner Verbrechen oder Entwicklungsgeschichte seiner Taten, sondern rekonstruiert die Wirkung dieser Person“. Bettina Stangneth erforscht, warum das heutige Eichmann-Bild geprägt ist von seinem Auftreten vor Gericht in Jerusalem: Der unscheinbare Bürokrat, das kleine Rädchen im Getriebe, der Befehlsempfänger. „Wie viel Selbstinszenierung steckt in Eichmanns Erscheinung, und welche Bedeutung hatten seine Rollenspiele für seine mörderische Karriere“? Entlang dieser Frage erzählt Stagneth von Eichmann in Wien und Berlin während der NS-Zeit, seinem Leben als Hühnerzüchter in der Lüneburger Heide, und der Flucht 1950 nach Argentinien. Schwerpunkt hier sind die Gesprächsrunden 1957, die auf Tonband aufgezeichnet und abgetippt wurden und heute in sehr unterschiedlichen Versionen existieren. Hier spricht ein ganz anderer Eichmann als vier Jahre später. Wem diese aufregenden und erkenntnisreichen 535 Seiten und 1215 Fußnoten zu mühevoll erscheinen, sollte sich zumindest das Radio-Feature „Begegnungen mit einem Mörder – Die vielen Gesichter des Adolf Eichmann“ von Jochanan Shelliem anhören: mit Original-Tondokumenten, und auch Bettina Stangneth kommt zu Wort (DAV, 19,99 €).
Bettina Stangneth, Eichmann vor Jerusalem – Das unbehelligte Leben eines Massenmörders, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 656 Seiten, 19,99 €, 978-3-499-62269-4

Originalausgabe: Arche Literaturverlag 2011, 39,90 €

(erschienen am 16. Juni 2016 als 03. Buchtipp im Solinger Tageblatt)

 

 

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